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Montag 10 Dezember 2018

Das Immunsystem, das Mikrobiom und der Biorhythmus

Welche Mittel stehen uns zur Verfügung, um die Funktion von Mikrobiom, circadianem Rhythmus und Immunsystem zu verbessern? Das erfahren Sie in diesem letzten Teil unserer fünfteiligen Serie zum Immunsystem, Mikrobiom und Biorhythmus.

 

Vitamin D

Zwischen Vitamin D und der biologischen Uhr besteht ein enger Zusammenhang. Außerdem wird Vitamin D auch für die Funktionsfähigkeit des angeborenen und erworbenen Immunsystems benötigt. So katalysiert es beispielsweise die Bildung bestimmter Lymphozyten (Makrophagen). Weiterhin besteht ein Zusammenhang zwischen dem Risiko der Entstehung einer Autoimmunerkrankung und dem Vitamin-D-Status im Blut: Menschen mit hohem Vitamin-D-Status erkranken seltener an Autoimmunerkrankungen. Darum wird mancherorts inzwischen die Empfehlung gegeben, Menschen mit Autoimmunerkrankungen Vitamin-D-Supplemente zu verabreichen.


Glutamin

Die Aminosäure Glutamin spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung der Barrierefunktion der Darmwand. Dies geschieht durch die Aktivierung der mTOR-Signalisierung in Darmzellen. Außerdem verbessert Glutamin auch die Entwicklung und das Wachstum von Darmzellen bei Stress, Verletzungen und Infektionen. Zunehmend zeigt sich, dass Glutamin ganz besonders bei Neugeborenen offenbar eine essenzielle Aminosäure ist. Dies gilt unter Umständen auch für Erwachsene, insbesondere dort, wo die Darmtätigkeit besonders hohen Belastungen unterliegt (Stress, Alkoholkonsum).

Die Auswirkungen von Glutamin beschränken sich wahrscheinlich nicht nur auf die Darmwand, denn eine gesunde Darmwand ist auch besser dazu in der Lage, eine gesunde Beziehung zum Mikrobiom aufrechtzuerhalten.In eine kürzlich durchgeführten Studie zeigte sich, dass eine tägliche Supplementierung mit 30 Gramm Glutamin zu einer Verringerung des Verhältnisses der Firmicutes : Bacteroidetes (einem Biomarker für Adipositas) von 0,85 auf 0,57 führte (was eine günstige Entwicklung darstellt, die mit dem Ergebnis, das sich einstellt, wenn übergewichtige Menschen Diät leben, vergleichbar ist). Die Kontrollgruppe erhielt täglich 30 Gramm Alanin. Bei ihnen stieg das Verhältnis der Firmicutes : Bacteroidetes von 0,91 auf 1,12. Die Studie wurde unter 33 Erwachsenen (23 bis 59 Jahre alt, BMI 25 bis 47, aufgeteilt in zwei Gruppen) durchgeführt.


Probiotika

Probiotika können verwendet werden, um das Mikrobiom gesund und die Immunantwort fit zu halten. Vor allem bei Darmbeschwerden sind positive Ergebnisse zu erwarten, zum Beispiel beim Reizdarmsyndrom (IBS) und bei antibiotisch bedingten Durchfällen, insbesondere bei Säuglingen.

Bei IBD (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sind die Ergebnisse weniger überzeugend.Bei allergischen Erkrankungen sind Probiotika nicht sehr effektiv, wenn sie kurativ eingesetzt werden. Es gibt jedoch Hinweise auf eine präventive Wirkung von Probiotika während der Schwangerschaft von Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko dafür besteht, dass ihr Kind eine Allergie entwickeln könnte, bei Frauen, die ein Kind mit erhöhtem Allergierisiko stillen, und bei Kindern unter 3 Jahren, bei denen ein erhöhtes Allergierisiko vorliegt. Als erhöhtes Risiko gilt hierbei das Vorliegen von Allergie, Asthma oder Ekzemen bei mindestens einem biologischen Elternteil.


Die Kunst bei der Verwendung von Probiotika besteht darin, herauszufinden, welche Bakterienstämme am besten helfen. Hierzu ist es notwendig, nacheinander verschiedene Stämme auszuprobieren (und den Patienten dabei kontinuierlich Buch über seine Beschwerden führen zu lassen). Zukünftig könnte eine auf die Prävention von IBD, Typ-1-Diabetes und Neurodermitis gerichtete Therapie entwickelt werden, die auf einer personalisierten probiotischen und/oder Wurmtherapie basiert, die bereits in einer frühen Lebensphase durchgeführt wird.


Bereits jetzt können Menschen die Zusammensetzung ihres persönlichen Mikrobioms (oder genauer gesagt: Mikrogenoms) bestimmen lassen. Daraus lassen sich dann präzise Empfehlungen zu Lebensstil, Ernährung oder personalisierten Probiotika ableiten. Lässt man eine solche Bestimmung durchführen, sollte man allerdings Wert auf den Schutz der persönlichen Daten legen. Es ist ratsam, genauestens darauf zu achten, ob und an wen diese (medizinischen) Daten weitergegeben werden dürfen.


Shiitake (Lentinula edodes), Maitake (Grifola frondosa)

Shiitake- und Maitake-Pilze erfahren schon seit Jahren großes Interesse, weil sie das Immunsystem beeinflussen. Vor kurzem hat die University of Florida eine Interventionsstudie an 52 gesunden Personen im Alter von 21 bis 41 Jahren durchgeführt. Nach vier Wochen zeigte sich, dass Shiitake das Immunsystem signifikant modifiziert. So nahm beispielsweise die Menge an CRP im Blut der Probanden ab, was auf eine Verringerung von Low-grade-Entzündungen hindeutet. Außerdem stieg die Konzentration wichtiger Botenstoffe des Immunsystems, der Cytokine IL-4, IL-10, TNF-α und IL-1α an, was auf eine verbesserte Immunantwort hindeutet. Diese Resultate stellten sich bei einem Verzehr von 5 und 10 Gramm getrocknetem Shiitake pro Tag ein.

Wie Shiitake diese Veränderungen zustande bringt, ist bisher noch nicht gut untersucht, aber es scheint, dass das Mikrobiom dabei als Mediator fungiert. Shiitake ist sehr reich an Polysacchariden (bestimmte Arten von löslichen Ballaststoffen, die prebiotisch wirken). Wahrscheinlich sind diese für die positiven Wirkungen auf das Immunsystem verantwortlich. Bei Mäusen konnte nun nachgewiesen werden, dass solche Ballaststoffe zu radikalen Veränderungen der Zusammensetzung des Mikrobioms führen. Chinesische Wissenschaftler, die älteren Mäusen Shiitake verabreicht hatten, berichten sogar von einer Verjüngung des Mikrobioms und der Immunantwort.


Fazit

Die Forschung zur Interaktion zwischen Mikrobiom, Immunsystem und Biorhythmus steckt noch in den Kinderschuhen, ist aber vielversprechend. Alle bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass sämtliche Teile des Körpers untrennbar miteinander verknüpft sind und dass es unmöglich ist, einen Teil aus dem Gleichgewicht zu bringen, ohne die anderen Teile mit zu beeinflussen. Gerade heute, da unsere Umwelt immer mehr „unnatürliche Faktoren“ enthält (Kunstlicht, Antibiotika, Industrienahrung), wird es für den Körper zunehmend schwierig, einen gut funktionierenden Zustand aufrechtzuerhalten. Deshalb ist es wichtiger denn je, den Körper gut zu versorgen, indem man genügend Nährstoffe zu sich nimmt und einen Lebensstil pflegt, der dem natürlichen Lebensstil so nahe wie möglich kommt.

Dies war der fünfte und letzte Teil der Serie zum Immunsystem, Mikrobiom und Biorhythmus. Das vollständige, gut bebilderte E-Book zu diesem Thema können Sie hier downloaden. Darin finden Sie auch alle wissenschaftlichen Quellenangaben.