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Donnerstag 19 April 2018

Ashwagandha: ein Multitalent?

Ashwagandha ist eine Pflanze, die bereits seit Tausenden von Jahren für medizinische Zwecke verwendet wird. Ein Heilkraut, dem viele positive Eigenschaften zugeschrieben werden. So gilt sie als immunstärkend, stresslindernd, leistungssteigernd und nun womöglich auch als unterstützend für die Schilddrüsenfunktion.

 

Ashwagandha wird zu den Adaptogenen gezählt. Sie enthält eine Reihe natürlich vorkommender Verbindungen mit therapeutischer Wirkung, die nach der Verabreichung das physiologische Gleichgewicht wiederherstellen können. Daher übt sie eine normalisierende und revitalisierende Wirkung aus.

 

Eine aktuelle klinische Studie hat gezeigt, dass Ashwagandha möglicherweise bei subklinischer Hypothyreose therapeutisch angewendet werden kann. Ashwagandha kann nämlich die Wirkung von Schilddrüsenhormonen auf sichere und effektive Weise verstärken.

 

Schilddrüsenhormone

Die Pflanze wird bereits von alters her zur Behandlung von Schilddrüsenproblemen eingesetzt. Die Schilddrüse und ihre Hormone (Thyroxin [T4] und Triiodthyronin [T3]) sind von lebenswichtiger Bedeutung. Besonders der Intermediärstoffwechsel, zu dem auch der Energiestoffwechsel zählt, ist für sein Funktionieren auf diese Hormone angewiesen.

 

So erhöht zum Beispiel das wirkungsstarke T3 den Sauerstoffverbrauch und steigert den Energieumsatz. Dadurch wird gleichzeitig auch die Wärmeerzeugung gesteigert. Daher steht eine träge arbeitende Schilddrüse (Hypothyreose) oft mit Müdigkeit, Lethargie, Kälteintoleranz, neurokognitiven Problemen wie Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche, Stimmungsstörungen und vielen weiteren unterschiedlichen Symptomen im Zusammenhang.

 

Häufiger als eine klinische (schwere) Hypothyreose tritt die (leichtere) subklinische Form der Hypothyreose auf, vor allem bei Frauen. In Zahlen ausgedrückt betrifft diese Erkrankung ungefähr 3-18 % der erwachsenen Bevölkerung. Viele Menschen mit subklinischer Hypothyreose profitieren von der Einnahme von Thyroxin (T4), einem Hormonvorläufer (Prohormon), das von der Schilddrüse gebildet und freigesetzt wird. Es ist als Medikament unter dem Namen Levothyroxin erhältlich und wird verschrieben, wenn die Schilddrüse nicht oder zu träge arbeitet.

 

600 mg Ashwagandha

In einer randomisierten placebokontrollierten Studie wurden die Wirkungen von Ashwagandha-Extrakt auf die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen bei einer Gruppe von Patienten mit subklinischer Hypothyreose untersucht.

An der Studie nahmen 50 erwachsene Patienten mit subklinischer Hypothyreose teil. Dies bedeutet, dass diese Gruppe von Probanden erhöhte Werte des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH aufwies. Eine Hälfte der Gruppe nahm täglich 600 mg Ashwagandha-Extrakt ein, während die andere Hälfte 8 Wochen lang ein Placebo erhielt.

 

Die Behandlung mit Ashwagandha führte zu einer Verbesserung der Serum-TSH-, -T3- und -T4-Werte im Vergleich zu den Messwerten der Placebogruppe. Am Ende der achtwöchigen Ashwagandha-Behandlung wurde eine Normalisierung des Serumschilddrüsenhormons festgestellt. Zudem wurde das Pflanzenextrakt ohne unangenehme Nebenwirkungen gut vertragen.

 

Zwei Achsen wirken umgekehrt proportional

Die Forscher erklären, dass Ashwagandha möglicherweise eine Verbesserung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA) und der Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsenachse (HPT) herbeiführen kann.

Bekanntermaßen spielen das autonome Nervensystem (ANS) und die Nebennieren eine Rolle bei Stress. Lang anhaltender Stress aktiviert die sympathische Komponente des ANS und die HPA-Achse, wobei die Nebennieren mehr Cortisol an das Blut abgeben. Erhöhte Cortisolspiegel hemmen die HPT-Achse, wodurch letztlich auch die T3- und T4-Werte sinken.

 

Die Wirkung von Ashwagandha beruht auf der Fähigkeit zur Senkung der Cortisolkonzentrationen im Blutplasma durch Hemmung der HPA-Achse (Abwärtsregulierung). Dies kann zum Beispiel über die Verringerung der Anzahl oder Empfindlichkeit der Rezeptoren für Hormone oder andere neuroendokrine Substanzen erfolgen. Diese Abwärtsregulierung der HPA-Achse führt wiederum zu einer Aufwärtsregulierung der HPT-Achse, wodurch sich die Schilddrüsenhormone normalisieren.

 

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Wurzelextrakte von Ashwagandha eine positive Rolle bei der Normalisierung der Schilddrüsenhormone bei subklinischen Hypothyreosepatienten spielen können. Nun sind Folgestudien erforderlich, um bessere Einsicht in den zugrundeliegenden Wirkmechanismus von Ashwagandha zu gewinnen.

 

Quelle

Sharma AK, Basu I, Singh S. Efficacy and Safety of Ashwagandha Root Extract in Subclinical Hypothyroid Patients: A Double-Blind, Randomized Placebo-Controlled Trial. J Altern Complement Med. 2017 Aug 22. doi: 10.1089/acm.2017.0183. [Epub ahead of print]